Donnerstag, 19. September 2019

Mit Naturfasern gegen die Plastikflut


Pflanzen wie Lein und Hanf können dazu beitragen, Kunststoffe zu ersetzen und die Umwelt zu schonen. Doch noch gibt es Hürden, die es zu überwinden gilt.

Wolkenstein. Verpackungen, Alltagsgegenstände, Industriematerialien - in nahezu allen Lebensbereichen lässt sich inzwischen Kunststoff antreffen. Was so günstige Eigenschaften wie Flexibilität und geringe Kosten aufweist, bringt jedoch einen maßgeblichen Nachteil mit sich: Plastik verrottet kaum. Dass es auch anders geht und dass es Alternativen gibt, beweist derzeit etwa der Markkleeberger Verein Sachsenleinen. Im Schönbrunner Ambrossgut stellte nun dessen Vorsitzender Torsten Brückner nachhaltig hergestellte Produkte vor. Zugleich erklärte er, warum es einen langen Atem braucht.
Die simple Idee: Naturfasern etwa aus Lein und Hanf sollen Kunststoff ersetzen, so wird die Umwelt weniger belastet. Schon jetzt sei dies möglich, erklärte Brückner, der zugleich Geschäftsführer der Sachsenleinen-Gesellschaft ist. Nach Schönbrunn hatte er einige Produkte mitgebracht, die schon heute aus Naturfasern bestehen wie Koffer, sowohl für Musikinstrumente als auch zum Verreisen. Ein anderes Beispiel: Verkleidungen für den Automobilbau. "Im neuen VW Golf beispielsweise sind diese Türverkleidungen aus Naturfasern verbaut."

Torsten Brückner ist sich sicher: Viele Plastikprodukte haben angesichts der Umweltfolgen bald ausgedient. Um sie zu ersetzen, brauche es seine Zeit. Was Torsten Brückner am meisten Sorge bereitet: "Die Bauern sind leider noch zu sehr in ihrem alten Denken verhaftet. Sie bauen lieber wie seit Jahrzehnten Weizen, Mais und Raps an und halten Kühe, weil sie dafür noch genug Geld bekommen." Dabei sei es wichtig, dass sich angesichts der vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten zunehmend auch Pflanzen wie Lein auf den Feldern finden lassen. "Der Druck zum Anbau nachhaltiger Produkte ist immer noch nicht groß genug, doch das wird nicht auf ewig so bleiben", ist sich der Diplom-Agraringenieur sicher.
Sachsenleinen sieht sich als Bindeglied zwischen Forschung und Industrie sowie als Dienstleister rund um den Anbau, die Ernte und die Verarbeitung pflanzlicher Fasern. Den Kunden werde eine breite Palette an Produkten geboten, vom Saatgut bis zum textilen Gewebe oder technischen Bauteil, so Brückner. In der Regel handle es sich nicht um Standardprodukte. "Die Angebote werden den Kundenanforderungen entsprechend angepasst."
Im Schönbrunner Ambrossgut wurden in diesem Jahr verschiedene Leinsorten angebaut. Dies war ein Teil des Projekts Enzedra (Einheimische Nutz- und Zierpflanzen zur Erhöhung der regionalen Artenvielfalt), das sowohl auf deutscher wie auch auf tschechischer Seite Partner hat. Die auf dem Versuchsbeet in Schönbrunn angebauten Sorten wie Deutscher Öllein, Faserlein und Violetter Lein sind demzufolge Ergebnisse eines grenzüberschreitenden Projektes. (mit geom)

Quelle: https://www.freiepresse.de/erzgebirge/zschopau/mit-naturfasern-gegen-die-plastikflut-artikel10616207

Mittwoch, 18. September 2019

Der richtige Erntezeitpunkt für Cannabis

 

Bananen werden oft noch grün geerntet und bekommen erst im Supermarkt ihre typisch gelbe Farbe. Denn Bananen reifen nach, auch wenn sie bereits geerntet wurden. Bei Cannabis geht das leider nicht so einfach: Der optimale Erntezeitpunkt ist ein relativ kleines Zeitfenster, in dem der THC-Gehalt so hoch wie möglich ist. Doch wie erkennt man diesen Zeitpunkt?

Exkurs: Wann ist eine Pflanze „reif“?

„Reif“ hat für die meisten Grower genau eine Bedeutung: Ein Maximum an Cannabinoiden, im besten Fall THC. Die THC-Produktion in der Pflanze setzt erst in den letzen Woche der Blütephase so richtig ein. Der THC-Gehalt der Blüten steigt dann immer weiter an. Durch Umwelteinflüsse (UV-Licht) und chemische Reaktionen zerfällt das THC aber irgendwann wieder. Genau genommen zerfällt es sogar dauerhaft, die Pflanze produziert aber genügend nach. Nur irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem die Pflanze keinerlei neues THC mehr produziert und der THC-Gehalt durch die oben beschriebenen Faktoren wieder sinken würde. Ganz genau an diesem Punkt hat man den maximalen THC-Gehalt erreicht und sollte die Pflanze direkt ernten. Aber kein Stress: Ihr habt dabei ein Zeitfenster von circa einer Woche.

Ernten für Anfänger

Für Anfänger gibt es folgende Faustregel: „Wenn 50-75% der Härchen an den Blüten braun werden, ist die Pflanze reif zur Ernte!“
Tatsächlich spielen die Blütenkelche (Calyxe) eine große Rolle. In der Natur, wenn die weiblichen Pflanzen von männlichen bestäubt wurden, wachsen in den Blütenkelchen der weiblichen Pflanzen die Samen heran. Riesiger Nachteil: Wenn Samen produziert werden, hat die Pflanze viel weniger THC, außerdem ist das Endergebnis un(b)rauchbar. Doch auch wenn die Pflanzen unbestäubt sind, schwellen die Blütenkelche zum Ende der Blütephase hin stark an und geben den Blüten erst das typische knubbelige Aussehen. Die Blütenkelche werden dann immer runder und sehen insgesamt aus wie ein harzüberzogener, grüner Wassertropfen mit zwei Härchen an der Spitze. Die Härchen werden übrigens korrekt als „Stigmen“ bezeichnet.

Allein an der Form der Blütenkelche kann man aber den richtigen Erntezeitpunkt nicht bestimmen. Fakt ist aber: Wenn die Blütenkelche noch nicht angeschwollen sind, muss man gar nicht erst nach anderen Reife-Indizien suchen.

Je reifer die Pflanze wird, desto mehr Stigmen sterben langsam ab, verfärben sich dann erst gelblich und dann braun. Tatsächlich kann man an den Stigmen den Erntezeitpunkt schon relativ gut bestimmen. Wie oben erwähnt: Wenn sich 50-75% der Stigmen braun verfärbt haben, ist die Pflanze bereit zur Ernte. Hier muss man aber dazu sagen, dass jede Sorte sich da ein bisschen anders verhält. Den wirklich optimalen Erntezeitpunkt bekommt ihr so nicht raus.

Und, ganz wichtig: Schaut euch nicht nur einzelne Blüten an, sondern betrachtet die Pflanze im Gesamten! Und hier fällt, zumindest Anfängern, sehr schnell auf: „Hoppla, die unteren Blüten sind ja noch lange nicht reif, die oben schon bereit zur Ernte…“

Da der Reifeprozess 1:1 von dem erhaltenen Licht abhängt, werden die Blüten mit direkter Lichteinstrahlung tatsächlich viel schneller reif als die Blüten, die auf unteren Etagen im Schatten schlummern. Genau das ist übrigens auch der Grund, warum ihr die Pflanzen vor der Blütephase nochmal ordentlich von unten her ausdünnen solltet. So wird die Energie von Anfang an in die Hauptblüten gesteckt und am Ende gibt es zum Glück keine „Schatten-Buds“, welche die Erntephase nur unnötig verzögern.

Ernten für Fortgeschrittene

Lasst euch nicht abschrecken. Mithilfe eines kleinen Taschenmikroskops kann jeder ganz einfach den richtigen Erntezeitpunkt selbst bestimmen, dafür muss man kein Vollprofi sein.

Sobald ca. 50% der Stigmen braun geworden sind, sollte man einen Blick auf das Harz an sich werfen. Unter dem Mikroskop sieht man an den Blüten dann die Trichome. Kleine, zunächst durchsichtige Stäbchen mit einer durchsichtigen Kugel oben an der Spitze. Jeder Kiffer sollte wissen: Hier, in den kleinen Kugeln, steckt am meisten THC drin. Und genau diese Kugeln sollte man sich jetzt genau anschauen. Vor dem optimalen Reifezustand sind die Kugeln durchsichtig wie Glas. Je reifer die Pflanze wird, desto milchiger wirken die Kugeln. Wenn sich einzelne Kugeln (10-20%) braun/gelblich verfärben und die restlichen Kugeln milchig sind, ist der optimale Erntezeitpunkt gekommen.

Nun muss aber ganz ehrlich dazu gesagt werden: Hier scheiden sich die Geister. Manche behaupten, dass nur die milchigen Trichome optimal sind, die gelblich verfärbten bereits „abgebaut“ seien und keine Wirkung hätten. Das Problem ist nur: Es werden einfach nicht alle Trichome gleichzeitig milchig. Teilweise sind einzelne sogar schon gelblich verfärbt, andere noch durchsichtig. Hier muss man als Grower tatsächlich ein bisschen selbst abschätzen, ob man eher ein paar durchsichtige Trichome (mit zu wenig THC) oder bereits verfärbte Trichome (mit bereits wieder sinkendem THC-Anteil) haben möchte.
Von einem versetzten Ernten halte ich persönlich relativ wenig. Manche Grower schneiden aber die Hauptblüten ab und geben den restlichen Blüten, die in deren Schatten lagen, noch ein paar Tage Zeit um zu reifen. Mein Tipp wäre auch hier: Lieber vor der Blütephase so weit ausdünnen, so dass erst gar keine Blüten in Schatten landen.

Das Ding mit dem Spülen

Ein ganz typisches Problem: Die Pflanzen werden zu früh gespült. Eigentlich ist das ja kein großes Problem, nur verzögert es den Erntezeitpunkt. Wenn man mit einer Genetik zum ersten mal arbeitet, sollte man aber lieber eine Woche zu früh als zu spät mit dem Spülen beginnen. Wenn die Blätter schon gelb werden, die Pflanze aber noch komplett voll mit milchigen Trichomen ist, habt ihr zu früh gespült, die Pflanze hätte die Nährstoffe noch gut gebrauchen können, kann jetzt aber, da die Blätter eh schon tot sind, nicht mehr viel mit Dünger anfangen.

Wenn ihr hingegen zu spät mit dem Spülen beginnt, ist die Pflanze zwar irgendwann komplett reif, steckt aber noch voller Düngersalze. Eine Tatsache, die spätestens beim Verkosten zu einigem Hustenreiz führen wird.

Insofern muss man für die Bestimmung des optimalen Erntezeitpunktes auch immer den ungefähren Nährstoffgehalt des Substrates/der Pflanze im Hinterkopf behalten.

Fazit 

Der optimale Erntezeitpunkt ist eigentlich sehr einfach zu bestimmen. Ein Taschenmikroskop  mit 20-50 -facher Vergrößerung reicht vollkommen aus und kostet nicht mehr als 10€. Ohne Mikroskop kann man den Erntezeitpunkt nur relativ ungenau bestimmen, besonders wenn man mit einer neuen Genetik arbeitet, die man noch nicht kennt.

Quelle: https://www.hanf-magazin.com/growing/indoor-growing/marihuana-ernte/der-richtige-erntezeitpunkt-fuer-cannabis/

Regierungsrat ist für die Legalisierung von Medizin-Hanf

 

Die Glarner Regierung ist dafür, dass Hanf künftig kontrolliert als Medikament abgegeben werden kann. Sie weist darauf hin, wo Cannabis helfen könne. Kiffen soll eher keine medizinische Anwendung sein.

Der Bund revidiert das Betäubungsmittelgesetz. In der Vernehmlassung dazu schreibt der Glarner Regierungsrat, wie er die Sache mit dem medizinischen Hanf oder Cannabis sieht.
Cannabis soll ein Betäubungsmittel bleiben. Es sei aber «sachgerecht, Cannabis-Arzneimittel zu verschieben von den mit Verkehrsverbot belegten zu den kontrollierten, beschränkt verkehrsfähigen», so der Regierungsrat. Wenn nämlich von 2012 bis 2018 total 7575 Erstbewilligungen erteilt worden seien, dann «kann nicht mehr von einem Ausnahmecharakter gesprochen werden». Dabei steigt offenbar die Nachfrage nach Behandlungen, und die Erfahrungen von Ärztinnen und Ärzten mit Medizin-Hanf sind positiv.

Mehr sagen zur Anwendung

Der Regierungsrat möchte im Bericht des Bundes erklärt sehen, wie man Cannabis-Arzneien meist anwendet:
● Einmal bei Krankheiten, wenn keine Abhängigkeit oder Sucht im Spiel ist. Auf diese Anwendung ziele die Revision des Bundes vor allem ab.
● Dann bei Suchterkrankten. Hier brauche es bei einer Suchtbehandlung mit Cannabis wie mit anderen Betäubungsmitteln eine kantonale Bewilligung. Bei individueller Herstellung in der Apotheke seien grundsätzlich Anwendung und Dosierung nicht eingeschränkt. Deshalb könne es schwierig sein, medizinische Anwendung, nicht-medizinischen Konsum und Suchtbehandlung voneinander abzugrenzen.
Beim Kiffen ist der Regierungsrat skeptisch. Der Bund solle möglichst vorsehen, dass Hanf zum Rauchen nicht als Medikament gilt. Sinnvoll sei aber, wissenschaftliche Daten zu sammeln. Sowie eine Bewilligung abzugeben, die Patienten bei Polizeikontrollen vorzeigen könnten

Quelle: https://www.suedostschweiz.ch/politik/2019-09-18/regierungsrat-ist-fuer-die-legalisierung-von-medizin-hanf

Experiment: In den Niederlanden wird Staats-Cannabis verkauft


Die niederländische Regierung wagt den Schritt aus der Cannabisgrauzone heraus. Auch wenn der Verkauf und Konsum der Droge in niederländischen Coffeeshops schon seit den 70er Jahren legal ist, waren der Anbau und die Lieferung von Marihuana stets illegal. 2021 startet die Regierung ein Experiment zur Legalisierung und Regulierung des Rauschmittels.

Vom Drogendealer zum staatlichen Bauern

In den Niederlanden finden der Verkauf und Konsum von Marihuana schon seit langer Zeit in der Grauzone statt. Bislang akzeptierte die niederländische Regierung den Handel der Droge in den niederländischen Coffeeshops, doch 100-prozentig legal ist dieser bislang nicht und auch die Herkunft der Pflanzen war bis zum jetzigen Zeitpunkt unbekannt und dementsprechend unreguliert. Das heißt, der Konsum von Cannabis ist in den Niederlanden zwar schon seit 1976 legal, doch der Anbau und Ankauf der Droge sind verboten.
Nun geht die Regierung einen weiteren Schritt in Richtung Legalisierung von Marihuana. Ab 2021 wird in zehn niederländischen Städten Cannabis aus legalem, staatlichem Anbau verkauft. Es ist ein Experiment der Regierung, bei welchem die insgesamt 79 teilnehmenden Coffeeshops vier Jahre lang lediglich "Staatsmarihuana" vertreiben werden. Es handelt sich dabei um behördlich überwachte Plantagen mit staatlicher Lizenz zum Cannabisanbau. Cannabis-Aktien boomen: Jetzt in den Cannabis-Aktien-Index investieren!

10 Städte sind am Experiment beteiligt

Zweck dieses Versuches ist die Eindämmung von Drogenkriminalität und Erhebung von Qualitätskontrollen zur Minimierung von illegalen Geschäften und gesundheitlichen Folgen, so hofft die niederländische Regierung. Im Zuge des Experiments werden die nicht-regulierten Städte ebenfalls vom Staat beobachtet, um die Ergebnisse vergleichen und auswerten zu können.
Teilnehmende Städte sind Arnhem, Almere, Breda, Groningen, Heerlen, Hellevoetsluis, Maastrich, Nimwegen, Tilburg und Zaanstad.
Dass die Großstädte Rotterdam, Den Haag und Utrecht, sowie die Hauptstadt Amsterdam nicht an dem staatlichen Experiment teilnehmen, liegt an dem Nichterfüllen der Vorbedingungen. Die Regierung setzt voraus, dass alle städtischen Coffeeshops an dem Experiment teilnehmen müssten, was angesichts der Vielzahl an Shops in genannten Städten nicht umzusetzen sei. Allein Amsterdam hat rund 170 Coffeeshops, was ein logistisch nicht zu bewältigender Aufwand wäre, außerdem sei es gefährlich, die eigentlichen Cannabislieferanten auf einen Streich aus dem Handel zu bannen, warnte Amsterdams Bürgermeister Femke Halsema schon 2018.

Legalisierung bürgt Risiken

Kritiker des Experiments fürchten negative Folgen für das Land und die Bevölkerung. Die Niederlande verzeichneten seit 2012 50 Morde, die im Zusammenhang mit Drogenhandel standen. Auch wenn das nicht ansatzweise so viele Tote darstellt, wie in den Drogenhochburgen Kolumbien und Mexiko, besteht die Angst, dass Drogenkartelle zu mächtig werden könnten und die Niederlande sich zu einem sogenannten "Narco Staat" entwickeln könnte, also ein vom illegalen Drogenhandel abhängiger Staat. Denn ein Großteil des in den Niederlanden illegal angebauten Marihuanas wird exportiert.
Zudem ist es nicht abzusehen, ob ein Einstieg in das legale Geschäft mit den örtlichen Coffeeshops für die Cannabisbauern einen Ausstieg aus den lukrativen illegalen Geschäften zur Folge hätte. Diese Befürchtung wird durch eine umstrittene Studie in Kanada gestützt, demnach habe Kriminalität, die im Zusammenhang mit Cannabis steht, auch nach der Legalisierung nicht unmittelbar stagniert und illegaler Handel mit Marihuana sei trotzdem noch präsent.
Willem, ein Coffeeshop-Betreiber aus Tilburg, hat in einem Interview mit BBC bestätigt, dass er staatliche Qualitäts- und Quantitätskontrollen zwar begrüßen würde, jedoch werden die entstehenden Mehrkosten auf den Konsumenten umgelegt, wodurch dieser einen großen Anreiz bekäme, wieder auf dem Schwarzmarkt zu kaufen. Den Marktpreis zu erhalten sei unabdinglich für ein Gelingen des Experiments, ergänzte Willem

Quelle: https://www.finanzen.net/nachricht/geld-karriere-lifestyle/cannabis-experiment-experiment-in-den-niederlanden-wird-staats-cannabis-verkauft-7992227

Dienstag, 17. September 2019

Sativa vs. Indica: Was sagen Experten?


Es wird schon länger darüber diskutiert, ob es überhaupt sinnvoll ist, Cannabis in die Sorten Sativa, Indica und Ruderalis einzuteilen. Experten zufolge sei das individuelle Cannabinoid- und Terpenenprofil ein viel wichtigerer Unterscheidungsfaktor.

Über viele Generationen hinweg, wird Cannabis (Hanf) seit langem in drei Sorten unterschieden. So soll Cannabis Sativa einen belebenden und erhebenden zerebralen Effekt („Sativa-High“) erzeugen, der sich gut mit körperlicher Aktivität, geselligen Zusammenkünften und Kreativität kombinieren lässt. Hingegen sollen sich Cannabis Indica und Cannabis Ruderalis entspannend auswirken und kein starkes „High Gefühl“ auslösen.
Diese Überzeugung, dass hauptsächlich Sativa und Indica sowie Cannabis Ruderalis unterschiedliche Wirkungen haben, ist tief in der Cannabiskultur verwurzelt. Die von Cannabisforschern gesammelten Daten deuten jedoch darauf hin, dass diese Unterschiede nicht so aussagekräftig sind, wie eigentlich gedacht.
Mit anderen Worten, es gibt kaum Anhaltspunkte dafür, dass Indica und Sativa ein konsistentes Muster chemischer Profile aufweisen und sedierend bzw. erhebend wirken. Indica- und Sativa-Cannabis Sorten wachsen zwar unterschiedlich und sehen auch unterschiedlich aus, jedoch sind diese Unterschiede in erster Linie für den Anbau bzw. die Züchtung von Bedeutung.
Wachstumseigenschaften SativaWachstumseigenschaften Indica
Sativa Sorten wachsen ein bis drei Meter hoch;
im Freien sogar bis zu fünf Meter.
Indica Sorten wachsen kürzer und buschiger.
In der Regel wachsen die Pflanzen lang und
dünn. Wachsen sie unbeschnitten auf,
können sie auch buschig werden.
Im Vergleich zu den Sativa Pflanzen sind
die Blätter dunkelgrün und dick. Außerdem
produzieren sie schwere Knospen und bieten
einen hohen Ertrag.
Die Pflanzen sind gut geeignet für den Anbau im
Freien, da sie eine längere Blütezeit aufweisen.
Die Pflanzen weisen eine kurze Blütezeit auf,
weshalb der Anbau oftmals im Innenbereich
erfolgt.
Herkunft / Anbau: Mexiko, Kolumbien, Jamaika,
Thailand etc.
Herkunft / Anbau: Indien, Pakistan, Marokko,
Afghanistan, Libanon etc.
Bekannte Sorten für den Freizeitkonsum: z. B.
Dutch Haze oder Durban Poison. Der
bekannteste Sativa-Hybride ist Amnesia Haze.
Bekannte Sorten für den Freizeitkonsum:
Northern Lights oder Super Silver Haze.
Northern Lights findet auch
medizinisch Anwendung.
Ausführliche Informationen über die Unterschiede finden Sie in diesem Artikel.

Sativa und Indica: Ein Rückblick in die Geschichte

Die Begriffe „Indica“ und „Sativa“ wurden im 18. Jahrhundert eingeführt, um verschiedene Arten von Cannabis Sativa L. zu beschreiben. Carl Linneaus beschrieb im Jahr 1753 „Cannabis Sativa“ erstmals als „gewöhnlichen Hanf“, der vorwiegend in Europa und West-Eurasien vorzufinden war. Hier werden die Sativa-Pflanzen hauptsächlich wegen ihrer Fasern und Samen kultiviert.
Jean-Baptiste Lamarck definiert hingegen den Begriff „Cannabis Indica“ etwa 32 Jahre später mit psychoaktiven Sorten, die in Indien („Indischer Hanf“) entdeckt wurden. Hier werden die Indica-Pflanzen für die Samen-, Faser- und die Haschisch-Produktion geerntet.
Obwohl die Cannabissorten für den Freizeitkonsum größtenteils aus Cannabis-Indica stammen, werden beide Begriffe – wenn auch fälschlicherweise – verwendet, um die Tausenden von Sorten zu beschreiben, die heute auf dem Markt sind.

Botanische Definition der Cannabis Pflanze hat sich verändert

Heutzutage bezieht sich „Sativa“ auf große, schmalblättrige Cannabissorten, von denen angenommen wird, dass sie energetisierende Wirkungen hervorrufen. Diese Cannabis Sorten waren jedoch ursprünglich Cannabis Indica ssp. Indica.
Indica-Pflanzen sind hingegen kräftige, breitblättrige Pflanzen, von denen angenommen wird, dass sie eine sedierende Wirkung haben. Diese breitblättrigen Cannabis Sorten sind technisch gesehen Cannabis Indica ssp. Afghanica.
In der Regel enthalten Sativa Sorten einen hohen THC-Gehalt und einen niedrigen Cannabidiol-Gehalt. Bei den Indica Sorten ist generell der Cannabidiol-Anteil höher und der THC-Anteil geringer.
Was wir „Hanf“ nennen, bezieht sich auf die industriellen, nicht berauschenden Hanf Sorten, die hauptsächlich für die Gewinnung von Samen angebaut werden. Aus den Samen kann zum Beispiel Hanföl hergestellt werden. Ursprünglich hießen sie jedoch Cannabis Sativa Sorten.

Wo ist der Unterschied zwischen Sativa und Indica?

Ethan Russo, Neurologe und Cannabisforscher, erklärte in einem aktuellen Interview, dass die botanischen Eigenschaften nichts über das Wirkungsspektrum aussagen. Die Antwort liege vielmehr in den Cannabinoiden und im Terpenenprofil.
„Die Art und Weise, wie die Unterschiede zwischen Sativa und Indica erklärt werden, ist Unsinn. Die klinischen Wirkungen des Cannabis-Chemovars (Varianten) haben nichts damit zu tun, ob die Pflanze groß, dünn, kurz oder buschig ist oder ob die Blättchen schmal oder breit sind“, so Russo.
Der Chemiker Jeffrey Raber, der das erste unabhängige Testlabor zur kommerziellen Analyse von Cannabisterpenen gegründet hat, stimmte zu und erklärte, dass es keine sachliche oder wissenschaftliche Grundlage für diese Unterschiede gebe. Man solle damit aufhören, die Cannabis Sorten so zu unterscheiden. Vielmehr sollte man sich darauf konzentrieren, welche standardisierte Cannabiskomposition welche Wirkungen hervorruft.
„Das bedeutet, dass nicht alle Sativa Sorten energetisieren und nicht alle Indicas beruhigen. Sie können eine Tendenz feststellen, dass Sativas erhebend und Indicas entspannend wirken, insbesondere wenn wir erwarten, dass wir uns auf die eine oder andere Weise so fühlen. Beachten Sie nur, dass es keine feste Regel und keine determinierenden chemischen Daten gibt, die ein perfektes Vorhersagemuster unterstützen“, so Raber.

Wirkungsspektrum hängt von verschiedenen Faktoren ab

Die Wirkungen einer bestimmten Cannabis-Sorte hängen von einer Reihe verschiedener Faktoren ab, einschließlich des chemischen Profils, der Biologie, Verträglichkeit, Dosis und Verzehrmethode.
Die Cannabispflanze besteht aus Hunderten von chemischen Verbindungen, die eine einzigartige Harmonie von Wirkungen erzeugen, die hauptsächlich von Cannabinoiden und Terpenen geleitet wird. Cannabinoide wie THC und CBD sind die Haupttreiber für die therapeutischen und entspannenden Wirkungen von Cannabis.
THC wirkt berauschend, regt den Appetit an und kann Symptome wie chronische Schmerzen und Übelkeit lindern. Hingegen löst CBD keine psychoaktive Wirkung aus und ist bekannt dafür, Angstzustände, Schmerzen, Entzündungen und andere Beschwerden zu lindern.

Wichtige Phytocannabinoide und ihr Wirkungsspektrum

Anstatt sich auf die unterschiedlichen Sorten der Cannabis Pflanze zu konzentrieren, ist es viel wichtiger, sich mit den beiden Hauptcannabinoiden vertraut zu machen.
THC-dominante Stämme werden hauptsächlich von Freizeitkonsumenten ausgewählt, die ein starkes euphorisches Erlebnis suchen. Für Patienten eignet sich eine solche medizinische Sorte, wenn sie beispielsweise unter chronischen Schmerzen und Schlaflosigkeit leiden. Wenn der THC-Gehalt zu hoch ist und sich unangenehme Nebenwirkungen bemerkbar machen wie zum Beispiel Angst, kann eine Sorte mit einem höheren CBD-Gehalt die Alternative sein.
  • Cannabidioldominante Stämme enthalten im Vergleich nur geringe Mengen an THC und sind vor allem für Patienten geeignet, die hochempfindlich auf THC reagieren.
  • Stämme mit einem ausgeglichenen THC-/CBD-Gehalt bieten neben einer Linderung verschiedener Symptome eine leichte Euphorie. Diese sind in der Regel eine gute Wahl für unerfahrene Patienten.
  • Sowohl Indica- als auch Sativa-Stämme können diese unterschiedlichen Cannabinoidprofile aufweisen.
„Anfangs dachten die meisten Menschen, dass ein höherer CBD-Spiegel eine Sedierung verursacht und dass das nicht-psychoaktive Phytocannabinoid häufiger bei Indica-Sorten vorkommt. Heute wissen wir, dass dies definitiv nicht der Fall ist. Wir sind eher geneigt, CBD in Sativa-ähnlichen Sorten zu sehen, aber es gibt in dieser Hinsicht keine systematische Regel oder Beziehung“, erklärte Raber.

Wie wichtig ist das Terpenenprofil in der Cannabispflanze?

Terpene sind aromatische Verbindungen, die üblicherweise von Pflanzen und Früchten produziert werden. Sie kommen zum Beispiel in Lavendelblüten, Orangen, Hopfen, Pfeffer und natürlich in Cannabis vor. Terpene, die von denselben Drüsen abgesondert werden, die THC und CBD quellen lassen, riechen nach Beeren, Zitrusfrüchten, Kiefern und vielem mehr.
„Cannabisterpene scheinen die Hauptakteure bei der Förderung der Beruhigungs- oder Energieeffekte zu sein“, führte Raber aus.
Wie ätherische Öle, die in einem Diffusor verdampft werden, können Cannabisterpene dazu führen, dass wir uns stimuliert oder beruhigt fühlen, je nachdem, welche Öle produziert werden. Pinen ist beispielsweise ein euphorisch wirkendes Terpen, während Linalool entspannende Eigenschaften besitzt. Es gibt viele Terpenenarten in Cannabis, und es lohnt sich, sich zumindest mit den häufigsten Arten vertraut zu machen.
„Welche Cannabisterpene welche Wirkungen hervorrufen, ist anscheinend viel komplizierter, als wir alle es uns wünschen, da es so scheint, als ob es von bestimmten Cannabisterpenen abhängt und ihrem relativen Verhältnis zueinander und zu den Cannabinoiden“, so Raber.
Laut Raber bestimmt die Indica- oder Sativa-Morphologie eines Stammes diese Aromen und Wirkungen nicht spezifisch.

Studie an der Dalhousie University Kanada

Neben Raber hat sich auch die Dalhousie University in Kanada mit der Genetik von Cannabispflanzen beschäftigt. Die Forscher untersuchten 83 Züchtungen von kanadischen lizensierten Cannabisproduzenten. Es war den Forschern dabei nicht möglich, ein einheitliches Muster zu finden, um die Einteilung in Sativa und Indica vorzunehmen. Hierüber haben wir bereits in unserem oben genannten Artikel Anfang 2018 berichtet.
In den Studienergebnissen heißt es, dass die Cannabisproduzenten bei den einzelnen Cannabissorten den Sativa- und Indica-Anteil angeben. Dies sei aber nicht präzise, denn eine Sorte können man nicht am Namen oder der Herkunft bestimmen. Zukünftig bräuchte man ein zuverlässigeres Klassifizierungssystem.

Fazit: Cannabis ist komplexer als gedacht

Das Zusammenspiel von Cannabinoiden und Terpenen ist sehr komplex. Nach der Meinung von Raber und Russo reicht es also nicht aus, Cannabis generell in die Sorten Sativa, Indica, Ruderalis und Hybride zu unterscheiden. Viel wichtiger sei es, auf den Cannabinoidgehalt und das Terpenenprofil zu achten, die in ihrer Kombination die Gesamtwirkung ausmacht

Quelle: https://www.leafly.de/sativa-vs-indica-was-sagen-experten/

Aida: Comeback für den Hanf-Brownie


Vor einem Jahr, Mitte September 2018 nahm die Wiener Café-Konditorei-Kette Aida diverse Produkte mit dem Wirkstoff CBD (Cannabidiol) in ihr Produkt-Portfolio auf. Mit 13. Dezember 2018 mussten diese Produkte per Gesetz aus dem Verkauf genommen werden. Aida verschenkte damals tausende CBD-Produkte an die Wiener Bevölkerung.
Hohe Kosten für Verfahren
Nach Ansicht des Gesundheitsministeriums dürfen CBD-Produkte nicht als Lebensmittel verkauft werden, weil diese neuartig – sogenanntes "Novel Food" – sind. Das Gesundheitsministeriums stützt diese Sichtweise auf die EU Verordnung "Novel Food Verordnung" 2015/2283.
"Damit dürfen nur jene Lebensmittel, die vor dem 15. Mai 1997 in nennenswertem Umfang in der Europäischen Union verzehrt wurden, weiterhin verkauft werden", so Aida in einer Aussendung. "Alle anderen Lebensmittel sind neu – 'novel' – und müssten in einem über Jahre dauernden und mit hohen Kosten verbundenen Verfahren bei den zuständigen Behörden der Europäischen Union genehmigt werden, um danach in den Verkauf zu gelangen."
"Österreichische Polit-Operette"
"Ein für mich gänzlich nicht nachvollziehbarer Schritt der ehemaligen Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein", kritisiert Dominik Prousek, vierte Generation der Aida-Eigentümerfamilie. "Verboten wurde die Konsumation von CBD-angereicherten Lebensmitteln, doch CBD-Produkte bis hin zu Rauchwaren werden weiterhin österreichweit in eigenen Shops und sogar an Tankstellen verkauft. Öle können weiterhin als Raumduft getarnt erworben und somit auch konsumiert werden. Also akzeptiert man, dass CBD gesundheitsschädigend geraucht wird, aber nicht in Speisen verzehrt werden darf? Auch die Kontrolle des Gesetzes dürfte weitgehend ausgeblieben sein, denn der Verkauf sämtlicher CBD-haltiger Substanzen floriert. Eine durch und durch österreichische Polit-Operette gipfelnd in einem Gesetzeschaos."
Weltweit liege kein einziger gesundheitsschädlicher oder -beeinträchtigender Fall nach dem Verzehr von CBD-angereicherten Lebensmitteln vor. "Was man mit dieser Gesetzesänderung bewirken wollte, wird uns wohl für immer verschlossen bleiben", so Aida-Sprecher Stefan Ratzenberger. "Auch auf mehrmalige Nachfrage im Kabinett Hartinger-Klein blieb man die Antwort, warum die rein positiven Effekte von CBD im Verzehr verboten wurden, schuldig. So müssen wir davon ausgehen, dass selbst die Frau Bundesminister keine Antwort darauf hatte."
Neue mit CBD angereicherten Produkte
Mit 18. September 2019 bietet Aida mit Hanföl angereicherte Produkte an. Begonnen wird mit dem "Hanf Brownie".
"In den letzten Monaten wurden unsererseits Rechtsgutachten eingeholt und die Situation mehrfach geprüfen. Zeitgleich wurde durch unsere Konditoren an neuen, mit Hanf angereicherten Produkten gearbeitet", so Dominik Prousek.
Am 18. September werden um 16.20 Uhr nachmittags 420 Stück Hanf-Brownies in der Aida-Filiale in 1060 Wien, Mariahilfer Straße 101, verschenkt. Aida hofft seitens der aktuellen Bundesregierung und Gesundheitsministerin Brigitte Zarfl auf eine rasche Gesetzesänderung, um endlich Klarheit in die wahrlich undurchsichtige CBD-Gesetzgebung Österreichs zu bringen.

Quelle: https://www.leadersnet.at/news/39134,aida-comeback-fuer-den-hanf-brownie.html

Cannabis-Legalisierung à la SPD


SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach will Cannabis-Konsumenten mit Bußgeldern läutern

„Ich bin dafür, den Cannabis-Konsum zu entkriminalisieren“, verriet Gesundheitspolitiker Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Wir sollten ihn zu einer Ordnungswidrigkeit herabstufen.“
Nach deutschem Recht heißt das, wer gemütlich auf der Parkbank sitzt, einen Haschkeks knabbert und von der Polizei erwischt wird, begeht nach wie vor eine rechtswidrige Handlung, die großzügigerweise nur mit einer Geldbuße geahndet wird. Wer nicht zahlen kann oder will, muss mit Erzwingungshaft rechnen. Die Haftdauer darf sechs Wochen nicht übersteigen. Bei mehreren Geldbußen, die in einem Bußgeldbescheid zusammengefasst sind, können bis zu drei Monate Haft als Beugemittel verhängt werden. Wer also regelmäßig beim „entkriminalisierten“ Kiffen ertappt wird und pleite ist, hat gute Chancen, ein paar Monate im Jahr auf Staatskosten Urlaub zu machen.

Mit Lauterbachs „Cannabis-Entkriminalisierung“ ist es also nicht weit her. Das Stigma bleibt, und die Polizei kann weiter nach Herzenslust auf Kifferjagd gehen. Folglich drängt sich der Verdacht auf, dass der 56-Jährige, der „Germanys next SPD-Parteichef“ werden will, nur so tut, als schlüge in seiner Brust ein Herz für Kiffer. Im Grunde veräppelt er die Bürgerinnen und Bürger, die sich ein Ende der Cannabis-Prohibition wünschen, wenn er zugleich den Handel mit Haschisch und Marihuana weiterhin als Straftat ahnden will: „Ich plädiere hier dafür, die bestehenden Regelungen des Strafgesetzbuchs anzuwenden.“
In nur wenigen Sätzen schafft es der SPD-Bundestagsabgeordnete, sich ein Armutszeugnis auszustellen, das ihm jegliche Kompetenz in der Cannabis-Debatte abspricht. Ob aus Kalkül, Dummheit oder Ignoranz, Lauterbach drückt sich, Position pro Cannabis zu beziehen und ein vernünftiges Konzept vorzulegen, wie sich Deutschland mit Hilfe der SPD aus dem War on Drugs verabschieden kann.

Wieder einmal zeigt sich, dass die SPD-Bundestagsfraktion in der Cannabis-Politik – wie bei vielen anderen politischen Themen – weder Fisch noch Fleisch ist. Zwar mehren sich die Stimmen in den Reihen der SPD, die den Prohibitionswahnsinn als solchen wahrnehmen und gerne beendet sähen, aber zuletzt sind es die gewichtigen Parteibonzen wie Karl Lauterbach, die sich der Realität verweigern und somit ein konsequentes Handeln ausbremsen,

Die Parteibasis in den Landes- und Ortsverbänden ist da weiter als die SPD-Führungsriege im Willy-Brandt-Haus in Berlin. Außerhalb der Hauptstadtblase begreifen die SPD-Lokalpolitiker die Notwendigkeit, den Anti-Cannabis-Krieg gegen die eigene Bevölkerung einzustellen. In Stadt und Land wollen viele Genossen die Sache nicht mehr aussitzen, weil sie wissen, dass die Repressionspolitik der Partei mehr schadet als nutzt. Während Lauterbach herumeiert, um das anrüchige Thema aus karrieretechnischen Gründen möglichst elegant zu umschiffen, lehnt sich sein SPD-Heimatverband schon fast suizidal weit aus dem Fenster. Die Kölner Genossen haben einen ganzen Katalog von Forderungen der SPD-Bundestagsfraktion vorlegt – mit der freundlichen Bitte, „sich für eine kontrollierte und bedachte Legalisierung von Konsum, Anbau und Handel von Cannabis für Erwachsene einzusetzen“. Gewünscht wird die Zulassung von Cannabis-Fachgeschäften und der straffreie Anbau von drei Hanfpflanzen.

An einigermaßen tauglichen Konzepten für die Zeit nach der Prohibition mangelt es bei den SPD-Genossen aus der Provinz nicht. Ob in Bremen, Berlin oder Posemuckel, die SPD hat das Potential, den ersehnten Frieden mit den Cannabis-Konsumenten zu schließen – wären da nur nicht die Karrieristen und Lobbyisten im Deutschen Bundestag, die aus welchem Antrieb auch immer die Freiheit mehrerer Millionen Menschen beschneiden und wie Karl Lauterbach überhaupt nicht daran denken, dieses Unrecht konsequent aus der Welt zu schaffen. Wer Bußgelder für Kiffer fordert, ist ein Prohibitionist – und die SPD wird sich keinen Gefallen tun, den Ewiggestrigen und Unbelehrbaren die Parteiführung zu überlassen.

Quelle: https://hanfjournal.de/2019/09/17/cannabis-legalisierung-a-la-spd/